Studie zur Entwicklung von Wohnbedürfnissen: Wohnungswirtschaft warnt vor steigender Altersarmut

Neue Studie zur Entwicklung von Wohnbedürfnissen: Wohnungswirtschaft warnt vor steigender Altersarmut.

Die Altersarmut steigt seit Jahren kontinuierlich. Bereits jetzt liegt der Anteil sogenannter armutsgefährdeter Rentner-Haushalte deutlich über zehn Prozent. Angesichts der Veränderung der Erwerbsbiografien erwarten Experten in den nächsten Jahren einen weiteren deutlichen Anstieg. Steigende Kosten für das Wohnen tragen wesentlich dazu bei, dass einkommensschwachen alten Menschen immer weniger Geld für die übrigen Bedürfnisse des menschlichen Lebens, wie Freizeit, Kultur oder Sport, bleibt.

Gewaltige Lücke zwischen Wunschdenken und Realität

„Gerade vor diesem Hintergrund ist es für uns völlig unverständlich, dass die Forderungen aus der Politik zum altersgerechten Wohnen sich insbesondere auf die Herstellung barrierefreier Wohnungen konzentriert. Dies treibt die Kosten für entsprechende Wohnungen exorbitant in die Höhe“, so Rudolf Ridinger, Vorstand des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, bei der Vorstellung einer neuen Studie zu den Wohntrends am Donnerstag in Kassel. Ridinger berichtet, dass gerade im Wohnungsbestand ein barrierefreier Umbau nur mit erheblichen Kosten möglich sei. So koste der nachträgliche Einbau eines Fahrstuhls in ein Bestandsgebäude mindestens 100.000 Euro. „Hier klafft eine gewaltige Lücke zwischen Wunschdenken und Realität“, so Ridinger. Vor diesem Hintergrund kritisiert er besonders das Verhalten der neuen Bundesregierung. Diese habe die Unterstützung des altersgerechten Umbaus angekündigt. In den Haushaltsplänen sei davon jedoch nichts zu finden.

Vereinsamung ist größtes Problem

Das größte Problem der älteren Menschen, so Ridinger, sei allerdings die zunehmende Vereinsamung. Diese treffe vor allem ältere Menschen, die nicht mehr im Erwerbsleben stünden. Die Wohnungswirtschaft reagiere darauf mit dem Ausbau ihrer Sozialarbeit und der Unterstützung des nachbarschaftlichen Engagements. Als Beispiel nannte Ridinger den Nachbarschaftshilfeverein der Wohnungsgenossenschaft 1889 in Kassel.

Vertrautes Wohnumfeld ersetzt Funktionen der Familie

Offensichtlich, so Ridinger, breche der Familienverbund immer häufiger auseinander. Jeder Fünfte lebe heute in einem Single-Haushalt. Ein Ausgleich der fehlenden Nähe des Familienverbundes werde aber gleichzeitig immer stärker im vertrauten Wohnumfeld gesucht. Dies werde sowohl durch die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen als auch durch die Pflege von Freundschaften in der unmittelbaren oder mittelbaren Nachbarschaft deutlich.

Arbeitsplatz immer weniger für Wohnort entscheidend

Überrascht zeigt sich Ridinger hingegen, dass auch jüngere Haushalte offen-sichtlich immer häufiger ein Wohnumfeld suchten, das ihnen eine Heimat biete. Viele Prognosen seien in den vergangenen Jahren davon ausgegangen, dass die Bereitschaft zum Ortswechsel besonders aus beruflichen Gründe zunehme. Früher galt der allgemeine Grundsatz: Das Wohnen folgt der Arbeit. Deshalb sei aus der wachsenden Dynamik des Arbeitsmarktes eine Zunahme von Umzugsketten unterstellt worden. Dieser Grundsatz sei, so eines der zentralen Ergebnisse einer bundesweiten Mieterbefragung im Rahmen der Studie, offensichtlich durchbrochen. Immer mehr Haushalte behielten ihren Erstwohnsitz bei, selbst wenn der Arbeitsplatz weiter entfernt ist. So erklärten nur fünf Prozent der befragten Mieterhaushalte, dass berufliche Gründe ausschlaggebend für ihren Umzug gewesen seien.