Mangel an altersgerechten Wohnungen in Düsseldorf

Mangel an altersgerechten Wohnungen – RDM-Düsseldorf spricht sich für mehr seniorengerechte Wohnungen aus.

In Düsseldorf herrscht ein Mangel an seniorengerechten, also schwellenarmen beziehungsweise -freien Wohnungen. Laut einer Empirica-Untersuchung erfüllen lediglich 6,15 Prozent der Immobilienanzeigen diese Kriterien. Der größte Anteil al-terstauglicher Mietwohnungen ist mit 8,22 Prozent im Stadtbezirk 7 zu finden (Grafen-, Ludenberg, Hubbelrath, Gerresheim; siehe Grafik). Der geringste Teil mit 4,44 Prozent liegt im Stadtbezirk 6 (Lichten-, Mörsenbroich, Rath und Unterrath). Die Quadratmeter-Kaltmiete ist bei altersgerechten Wohnungen etwa ein Euro höher als bei konventionellen vier Wänden.

Bei der Analyse im Auftrag des Ring Deutscher Makler (RDM), Bezirksverband Düsseldorf, wurden 44.379 Mietwohnungsanzeigen im Zeitraum zwischen Januar 2012 und 16. Mai 2014 ausgewertet.
Um die aktuelle Nachfrage sowie den durch den demografischen Wandel weiter steigenden Bedarf zu befriedigen, müsste der Anteil bei über 30 Prozent liegen. Um Immobilienbesitzer zu ermutigen, ihre vier Wände möglichst frühzeitig altersgerecht umzubauen, hat der Verband einen „Leitfaden altersgerecht Wohnen“ herausgegeben.

Während beim Neubau bereits ein gewisser Anteil der Miet- und Eigentumswohnungen schwellenfrei und damit behinderten- und altersgerecht gebaut wird, herrscht insbesondere bei Bestandswohnungen ein großer Mangel. „Hier müssten die Eigentümer und Vermieter in Aufzüge, bodengleiche Duschen, breitere Türen und Durchgänge investieren, die mit Gehhilfen und Rollstühlen befahrbar sind“, rät RDM-Vorsitzender Jörg Schnorrenberger.

Große Wohnungsgesellschaften haben diese baulichen Anpassungen seit etwa zehn Jahren im Fokus ihrer Modernisierungsarbeiten, beobachten Düsseldorfer RDM-Makler und -Verwalter. Aber der Großteil der Wohnungen, nämlich 77 Prozent, befindet sich in Deutschland im Besitz privater Eigentümer. Diese investieren eher selten in den Umbau. „Dabei sichert eine umgebaute Immobilie eine dauerhafte Vermietbarkeit“, ergänzt RDM-Vorstandsmitglied Klaus Rodenkirchen.

Im Jahr 2030 werden in Düsseldorf von 623.600 Einwohnern 131.100 über 65 Jahre alt sein. Dies entspricht einer Quote von 21 Prozent (Quelle: Statistikamt Information und Technik NRW). Ein Großteil von ihnen wird Wohnungen benötigen, die auch bei Mobilitätseinschränkungen bewohnbar sind.

Schwellenarm umgebaute Wohnungen erhöhen Vermietbarkeit und Immobilienwert

Nicht anders stellt sich in der Region die Lage bei Ein- und Zweifamilien-häusern dar. Diese zumeist von ihren Besitzern bewohnten Immobilien sind in den seltensten Fällen alterstauglich: Die Türen sind zu schmal, Übergänge zu Terrasse, Garage und Garten sind mit Schwellen versehen.

Auch die Einrichtungen von Bad und Küche sind selten altersgerecht. „Viele Eigentümer scheuen den Umbau. Obwohl alle Umfragen belegen, dass die meisten Menschen so lange wie möglich in ihren angestammten vier Wänden leben wollen. Offenbar beschäftigt sich keiner gerne mit Krankheit und Alter. Die meisten verschieben die Maßnahmen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. „Je früher sie sich aber damit befassen, umso mehr Energie haben sie, die Arbeiten zu planen“, so Immobilienexperte Schnorrenberger.

Schließlich sei nicht damit zu rechnen, dass der Nachfrageüberhang an altersgerechten Wohnungen in absehbarer Zeit befriedigt wird: Das Angebot wird weiterhin gering und die Preise und Mieten für solche Objekte werden vermutlich überproportional hoch sein. Deshalb sind alle gut beraten, selbst tätig zu werden. Letztlich erhöhen schwellenreduzierte Wohnungen und Häuser den Immobilien- und damit den Verkaufswert der Objekte, fügt Schnorrenberger an.

Sind die Ehepartner noch berufstätig, ist die Finanzierung der Umbau-Maßnahmen zudem einfacher und zu einem besseren Zinssatz möglich. Und schließlich können sie bei einer rechtzeitigen Anpassung ihre komfortableren vier Wände länger genießen.

Neuer Umbau-Ratgeber des RDM-Düsseldorf

Während das Interesse und die Information über energetische Umbau-maßnahmen groß sind, ist dies bei altersgerechten Anpassungen nicht zu beobachten. Aber auch in diesem Bereich gibt es viele Fördermöglichkeiten, Beratungsangebote und spezialisierte Dienstleister wie Architekten und Handwerker. Der RDM hat daher seine Broschüre „Leitfaden altersgerecht Wohnen“ in einer aktualisierten Neuauflage herausgegeben. Damit soll Licht in das Thema gebracht und die Zielgruppe sensibilisiert werden. Neben Ratschlägen für den altersgerechten Umbau von Wohnung, Haus und Garten werden auch Einrichtungstipps, Ansprechpartner für die Wohnumfeld-Anpassung sowie Fördermittelgeber aufgeführt. Die Fördermittel sind im Übrigen an kein Mindestalter geknüpft. Bereits mit Mitte 50 sollten sich Verbraucher damit befassen.

Zwar ist im Neubau der Anteil schwellenfreier Wohnungen für mobilitäts-eingeschränkte Senioren beziehungsweise Behinderte sehr viel höher als bei Bestandswohnungen. Aber selbst hier müsste mehr getan werden. Während beim preisgebundenen Wohnungsneubau eine Quote für solche Wohnungen existiert, gibt es eine solche bei frei finanzierten Wohnungen nicht.

Es wäre aber sinnvoll, dass Bauherren von Mehrfamilienhäusern eine Quote von etwa 30 Prozent erstellen würden. „Viele Entwickler berücksichtigen dies auch, nicht zuletzt aus Gründen der langfristigen Vermietbarkeit. Da aber die Baukosten schellenarmer Wohnungen etwa 15 Prozent höher sind als beim Bau konventioneller vier Wände, schrecken noch immer viele Bauherren vor der Investition zurück. Viele Bauträger müssen bereits gestiegene Grundstückskosten und höhere Baukosten im Zuge der höheren Energieanforderungen verkraften. Zusätzlichen Ausgaben können sie oft nicht auf ihre Mieten und Verkaufs-preise aufschlagen.

Werden schwellenfreie Wohnungen bereits in der Planungsphase berücksichtigt, ist ihre Realisierung zwar teurer als der Bau konventioneller Wohnungen. Der Kostenaufwand für den Umbau bestehender Wohnungen ist aber ungemein größer. Insbesondere Grundrissänderungen für breitere Flure für Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühle sowie Aufzüge sind in Bestandsgebäuden schwer zu realisieren.

Ferner freuen sich auch jüngere Mieter und Eigentümer über den Komfort breiterer Türen und Treppenhäuser. Denn auch für Kinderwagen sind solche Durchfahrten besser geeignet. Bodengleiche Duschwannen sind seit vielen Jahren ein Trend bei der Badgestaltung. Und über Stolperfallen wie Bodenerhebungen und Teppichläufer freut sich keine Altersgruppe, am wenigsten Besucher, die die Räume nicht kennen.