Lebenslange Haftung für Schaden bei Geburt

In Oldenburg hat das Oberlandesgericht (OLG) einem acht Jahre alten Mädchen eine halbe Million Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Die OLG-Richter entschieden zudem, dass die beklagte Klinik aus dem Landkreis Osnabrück sowie die beklagte Ärztin verpflichtet sind, dem Mädchen sämtlichen Vermögensschaden zu ersetzen, der ihr aus den Kunstfehlern anlässlich ihrer Geburt entstanden ist oder zukünftig entstehen wird (Az.: 5 U 108/18).

Das Mädchen hat als Folge einer Sauerstoffunterversorgung vor der Geburt einen schweren Hirnschaden erlitten. Sie ist schwerstbehindert und wird Zeit ihres Lebens immer auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Zu der Schädigung war es gekommen, weil ungefähr eine Dreiviertelstunde vor der Entbindung die Herzfrequenz des Kindes sehr stark abgefallen war. In diesem Zeitraum zeichnete indessen das CTG für rund zehn Minuten keinen Herzschlag auf, weder den des Kindes noch den der Mutter.

Als nach zehn Minuten im CTG ein Herzschlag mit normgerechter Frequenz wieder erfasst werden konnte, hielten die Ärzte dies für den Herzschlag des Kindes in der Annahme, es habe sich wieder erholt. Tatsächlich handelte es sich allerdings um den Herzschlag der Mutter. Als man den Irrtum später bemerkte, war das Mädchen durch die Sauerstoffunterversorgung bereits erheblich geschädigt.

Der 5. Senat des OLGs hat mit seinem Urteil ein im Wesentlichen gleichlautendes Urteil des Landgerichts Osnabrück bestätigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.