Jede zweite Rente unter 800 Euro; Rente mit 63 immer beliebter

Fast jede zweite Rente in Deutschland unter 800 Euro. 1,055 Millionen nutzen bereits die Rente mit 63.

Fast jede zweite Altersrente in Deutschland beläuft sich auf weniger als 800 Euro. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, über welche die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ in ihren Donnerstagsausgaben berichten. Demnach bezogen Ende 2016 rund 8,6 Millionen Rentner eine Rente unterhalb von 800 Euro monatlich. Das entspricht einem Anteil von 48 Prozent.

Gut 11,3 Millionen oder 62 Prozent der Rentner erhielten weniger als 1.000 Euro Altersrente. Die Zahlen beziehen auf Renten nach Sozialversicherungsbeiträgen, jedoch vor Abzug von Steuern.

Daten für 2017 liegen noch nicht vor. Das Bundesarbeitsministerium legt Wert auf die Feststellung, dass die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter liefere. Grund dafür sei, dass weitere Einkommen nicht berücksichtigt würden – etwa die anderer Haushaltsmitglieder. Zimmermann zeigte sich dennoch alarmiert angesichts der Zahlen.

„Die Zahlen zeigen, dass schon heute ein großer Teil der Rentnerinnen und Rentner gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhält“, sagte die Linken-Politikerin dem RND. „Mit Blick auf die Zukunft sind diese Werte besorgniserregend. Die Biografien künftiger Rentengenerationen werden anders aussehen als die heutiger Rentnerinnen und Rentner.“

Bei vielen Rentnern werde das Abrutschen in die Armut derzeit noch durch eine Absicherung über den Ehepartner oder über eine gute Betriebsrente verhindert: „Diese Absicherungsformen werden aber immer seltener.“

Rente mit 63: Zahl der Anträge auf 1,055 Millionen gestiegen

Die Rente mit 63 bleibt sehr beliebt: Vier Jahre nach ihrer Einführung ist die Zahl der Anträge für die abschlagsfreie, vorgezogene Rente bis Ende Juni auf 1,055 Millionen gestiegen. Das teilte die Deutsche Rentenversicherung der „Rheinischen Post“ (Donnerstagsausgabe) mit.

Die Antragszahlen hatten Ende April mit rund 1,006 Millionen Anträgen erstmals die Millionengrenze überschritten. Im Mai und im Juni gingen den Angaben zufolge jeweils rund 22.000 weitere Anträge für die abschlagsfreie Rente ein. Die Antragszahlen liegen damit weiterhin über den Erwartungen der Bundesregierung.

Sie hatte lediglich mit bis zu 200.000 Antragstellern pro Jahr gerechnet. Tatsächlich beantragten aber bisher jährlich bis zu 250.000 Ältere die abschlagsfreie, vorgezogene Rente. Sie war Mitte 2014 eingeführt worden.