Hausbesitzer zum Klimaschutz bereit

Für Deutschlands Hausbesitzer sind der Umwelt- und Klimaschutz sowie die Einsparung von Energiekosten die mit Abstand wichtigsten Motive bei der energetischen Modernisierung ihres Hauses. Das ist das zentrale Ergebnis einer von der Wüstenrot Bausparkasse AG beauftragten repräsentativen Umfrage unter 800 Eigentümern von Ein- und Zweifamilienhäusern.

Fast jeder Dritte der bundesweit befragten Eigentümer benannte explizit den Klimaschutz als Beweggrund für künftige energetische Maßnahmen am Wohneigentum. Mehr als zwei Drittel der Befragten streben zudem eine finanzielle Entlastung bei den Kosten für Heizung und Warmwasserbereitung durch die Reduzierung des Energieverbrauchs an.

Der Werterhalt des Hauses spielt mit 14 Prozent ebenso wie fällige Reparaturen (8 Prozent) hingegen nur eine untergeordnete Rolle bei den Gründen für eine energetische Modernisierung. Von den Befragten wurden als konkrete Sanierungsmaßnahmen am häufigsten der Einbau von Fenstern genannt, gefolgt von Wärmedämmung, einer neuen Gas-Heizung und der Installation einer Solarthermie-Anlage.

„Für den Klima- und Umweltschutz in Deutschland sendet unsere Befragung sehr positive Signale. Denn rund jeder fünfte Hauseigentümer gab an, konkret innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre durchgreifende Modernisierungsmaßnahmen zu planen, einschließlich energetischer Maßnahmen“, sagt Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender von Wüstenrot. „Gehen wir konservativ davon aus, dass nur jeder zweite Eigentümer diesen Worten Taten folgen lässt, so folgt daraus eine Verdoppelung, eher noch eine Verdreifachung der bisherigen Sanierungsrate, die wir genau auch benötigen, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen.“

Wohnimmobilien sind ein Schlüsselsektor für die Klimaziele

Deutschland will seinen Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent reduzieren im Vergleich zu 1990. Bis Mitte des Jahrhunderts soll die Bundesrepublik weitgehend klimaneutral werden, also unter dem Strich keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen.

Dieses Ziel kann nach Ansicht aller Experten aber nur erreicht werden, wenn der Wohngebäudebestand umfassend von den Besitzern energetisch ertüchtigt wird. Auf die rund 17 Millionen selbstgenutzten Wohneinheiten, die sich aus rund 13 Millionen Wohneinheiten in Ein-und Zweifamilienhäusern sowie knapp 4 Millionen in Eigentumswohnungen/Mehrfamilienhäusern zusammensetzen, entfallen dabei immerhin rund 53 Prozent des Primärenergiebedarfs aller Wohngebäude.

Die Eigentümer sind mithin gefordert. Hertweck: „Weiteren Rückenwind für die Hauseigentümer verheißen die Eckpunkte im Klimaschutzpaket. Sowohl der avisierte Steuerabzug als auch die großzügig angesetzte Austauschprämie für alte Ölheizungen versprechen kräftige Impulse. Entscheidend wird nun sein, dass die Eckpunkte möglichst rasch in geltendes Recht überführt werden.

Zudem sollten auch Haushalte von Ruheständlern Berücksichtigung finden, die vom Steuerabzug kaum profitieren. Durch Stetigkeit und eine langfristige Perspektive bei der Förderung entsteht die notwendige Planungssicherheit. So kann die Politik teils verlorengegangenes Vertrauen der Eigentümer zurückgewinnen.“

Gebrauchte Wohnimmobilien dominieren den Eigentümermarkt

Die skizzierte Bedeutung des Immobiliensektors für den Umweltschutz resultiert im Wesentlichen aus der ungünstigen Altersstruktur der Wohnimmobilien, nachdem der Neubau jahrzehntelang nur auf Sparklamme gelaufen ist. Auch das ist eine zentrale Erkenntnis der Wüstenrot-Umfrage. So haben zwei Drittel der Befragten ihr Eigenheim gebraucht bezogen. Entweder weil sie diese als Bestandsimmobilie erworben haben (40 Prozent) oder das Haus geerbt bzw. geschenkt bekommen haben (26 Prozent).

Nur ein Drittel waren Erstbezieher, entweder als Bauherr (28 Prozent) oder durch einen Erwerb vom Bauträger (6 Prozent). Rund 60 Prozent der Wohneigentümer wohnen bereits seit 20 Jahren und länger in ihrem Eigenheim. Dies korrespondiert auch mit der Altersstruktur der Häuser. Es zeigt sich einmal mehr: Traditionell ist das Eigenheim in Deutschland als Haus fürs Leben konzipiert. So wohnen etwa 70 Prozent der älteren Eigentümer bereits seit mindestens 40 Jahren in ihrem Eigenheim.

Modernisierer und Nicht-Modernisierer bleiben sich treu

70 Prozent der Eigentümer haben ihr Haus bereits einmal baulich verändert oder daran größere Instandhaltungen, Sanierungen oder Modernisierungen vorgenommen. Unter den Haushalten, die ihr Haus gebraucht gekauft oder geschenkt bekommen/geerbt haben, liegt der Anteil sogar bei 84 Prozent. Diese Angaben umfassen jedoch die gesamte bisherige Lebensdauer der bewohnten Immobilie. Für die nahe Zukunft ergibt sich erfreulicherweise sogar ein überproportionaler Modernisierungswunsch.

Rund jeder Fünfte (19 Prozent) der Befragten plant in den nächsten 2 bis 3 Jahren konkrete Modernisierungsmaßnahmen. Der Anteil der Modernisierungsplaner unter denen, die in der Vergangenheit bereits modernisiert haben, beträgt 21 Prozent. Damit hegt diese Gruppe nicht nur eine größere Modernisierungsneigung als die Befragten insgesamt, sie betrachtet Modernisierung offenkundig als fortschreitenden Prozess und hält von daher das Eigentum permanent in Schuss. Insbesondere jüngere einkommensstarke Großstädter sind Mehrfachsanierer.

Von den Nicht-Modernisierern sieht hingegen auch in Zukunft nur jeder zehnte Maßnahmen vor. Einer der wesentlichen Gründe für diese Zurückhaltung ist die Altersstruktur der Eigentümer. 40 Prozent der Wohneigentümer im Eigenheim sind bereits im Ruhestand. Unter diesen Ruheständlern ist der Anteil derer, die Modernisierungsmaßnahmen planen, mit 12 Prozent deutlich geringer.