Hannover etabliert sich unter den besten deutschen Einkaufsstädten

Hannover etabliert sich unter den besten Einkaufsstädten Deutschlands – Karmarschstraße befindet sich auf Augenhöhe mit Georgstraße und Bahnhofstraße.

Lange Zeit als etwas provinziell belächelt und mit eher unterkühltem Charme versehen, tritt die niedersächsische Landeshauptstadt immer mehr aus dem Schatten der exklusiven Einkaufsstädte und behauptet sich selbstbewusst unter den Top 10 der beliebtesten Einkaufsstädte Deutschlands. Ein bundesweit beachtetes Ausrufezeichen auf dem Immobilienmarkt hat Hannover mit dem Verkauf des Kröpcke-Centers gesetzt, das für rund 210 Millionen Euro im Herbst 2013 den Besitzer gewechselt hat. Die Hamburger Gesellschaft Union Investments (UI) hat das markante Einzelhandelsgebäude in Hannovers Stadtmitte gekauft und will es für einen offenen Anlegerfonds nutzen.

Experten zufolge ist eine Transaktion in dieser Größenordnung ein sicheres Indiz für den hohen Stellenwert, den die niedersächsische Landeshauptstadt als Einkaufsstadt genießt. „Hannovers Innenstadt hat sich toll entwickelt. Dass Union Investment als einer der größten institutionellen Anleger Deutschlands hier aktiv wird, ist nur folgerichtig“, sagt Thomas Weking, Geschäftsführer Vermietung von LÜHRMANN Osnabrück. Es ist das erste Engagement der Hamburger im Zentrum von Hannover. Und wirklich: Auch die Zahlen untermauern den besonderen Status der Leine-Stadt. Beim Zentralitätsniveau schlägt Hannover alle anderen Millionen-Metropolen in Deutschland deutlich. Hannover kommt auf einen Wert von 140,10, während München beispielsweise einen Wert von 122 und Berlin einen Wert von 110 erzielt. Und beim Einzelhandels-Umsatz-Niveau muss Hannover nur München den Vortritt lassen. Während Hannover einen Wert von 142,66 erreicht, kommt München auf 148.

Bei den Spitzenmieten liegen Bahnhofstraße, Karmarschstraße und Georgstraße gleichauf: Quadratmeterpreise von bis zu 210 Euro sind längst keine Seltenheit mehr.

Aktuelle Projekte

Die Georgstraße ist regelmäßig unter den Top 10 der am besten besuchten Einkaufsstraßen Deutschlands zu finden. Der Kern von Hannovers 1A-Lage besteht aus der Georgstraße, der Bahnhofstraße, der Karmarsch- und der Großen Packhofstraße. Nach der Eröffnung der Ernst-August-Galerie hat sich die Bahnhofstraße neben der Georgstraße als Bestlage etabliert. Das zeigen auch die Anmietungen von Apple sowie die jüngste Anmietung von Mango.

Bahnhofstraße 5: Hier plant Apple einen echten Konsumtempel. Die Bauarbeiten laufen seit März 2013, die Eröffnung des Geschäfts in der prominenten Lage zwischen Ernst-August-Platz und Kröpcke ist immer wieder verschoben worden. Grund sollen die sechs großen Stützen im Erdgeschoss sein, die dem offenen Konzept der Apple-Stores widersprechen, sich aber aus Gründen der Statik nicht einfach entfernen lassen. In der Bahnhofstraße 8 eröffnet Mango im Mai eine Filiale. Das spanische Modelabel mietete dafür ein rund 1.800 Quadratmeter großes Ladenlokal an.

Georgstraße 20: Hier hat sich der Telekommunikationsanbieter Vodafone rund 250 qm in absoluter 1A-Lage gesichert. Die Fläche ist vorher von Pimkie genutzt worden. Nummer 22: Apollo-Optik nimmt die Fläche von Tchibo mit dazu und vergrößert so die eigene Verkaufsfläche. Nummer 24: Die 85 qm hat sich der Uhrenhersteller Swatch gesichert. Vormieter war The Body Shop. Georgstraße 38: Hier hat das niederländische Textilunternehmen Scotch & Soda seinen ersten Store in Hannover auf etwa 200 qm eröffnet. Nummer 48: Unter dieser Adresse hat das saarländische Lifestyle-Label Brigitte von Boch etwa 300 qm angemietet. Die Räume gehörten vorher dem Damenmodeanbieter Elegance. Eine Veränderung gibt es im Februar 2015 in der Georgstraße 10. Dann wird die Buchhandlung Lehmanns Media ihre 3.500 qm große Fläche aufgeben. Laut Branchenkreisen soll sich Rossmann die Fläche bereits gesichert haben.

Karmarschstraße 37/39: Dort hat Vorwerk Deutschland nun rund 80 qm angemietet.

Eine der bedeutendsten Veränderungen in der Innenstadt ist ohne Zweifel die komplette Sanierung des Kröpcke-Centers. Die Betonarchitektur mit 70er-Jahre-Charme ist Geschichte, jetzt prägen Glas und Naturstein die Fassaden im Herzen der Stadt. Ein Ausrufezeichen hat P&C Hamburg mit der Eröffnung des sogenannten Weltstadthauses gesetzt: Nach mehrjährigem Umbau ist die Verkaufsfläche verdoppelt worden. Auf rund 10.000 qm bietet das Flaggschiff etwa 300 Marken Platz. Eichenparkettböden mit Natursteinlaufwegen geben den Räumen ein edles Ambiente, das durch die Designerleuchten unter der Decke unterstützt wird. Ruhezonen, stylische Wartebereiche und großzügige Kinderspielflächen runden das weitläufige Erscheinungsbild ab. Seit 2009 wird am Kröpcke-Center gearbeitet, der dreieckige Grundriss prägt das Gebäude. Während der gesamten Bauzeit ist das Modehaus P&C dem Gebäude treu geblieben, alle anderen Mieter haben gewechselt. In eine der Nachbarflächen ist der Herrenausstatter Eckerle gezogen. In der Karmarschstraße 23d hat der Niveauanbieter von Herrenmode rund 900 qm Verkaufsfläche angemietet. Jüngst hat sich das H & M-Konzept Cos rund 580 qm gesichert, die Eröffnung ist im Spätsommer 2014 geplant. Auf etwa 50 qm hat das Kosmetikunternehmen Kiehl’s ein Ladenlokal eröffnet. Ebenfalls mit einem Geschäft vertreten sind The Body Shop, Rituals und Tchibo. Der Kröpcke-Platz hat sich aber nicht nur oberirdisch, sondern auch interirdisch verändert. Der umgangssprachlich „Kröpcke-Loch“ genannte Platz am südlichen Ende der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade in der sogenannten minus-1-Ebene wurde geschlossen. Im Zuge der Umgestaltung wurde auch die Niki-de-Saint-Phalle-Promenade unter dem Kröpcke-Center umgebaut und modernisiert. Wie sich das konkret auf die Passantenströme auswirkt, bleibt abzuwarten.

Große Packhofstraße 15-16: An diese Adresse ist der Herrenausstatter Tudors gezogen. Vormieter war E-Plus. Nummer 39-40: Hier hat die japanische Kette Muji ein Geschäft auf rund 400 qm eröffnet.

Lister Meile: An der Ecke zur Hamburger Allee hat die Gastronomiekette Sausalitos rund 120 qm angemietet. Ihren Standort an der Ecke zur Celler Straße hat die Kaufhauskette Woolworth aufgegeben. Die 1.000 qm Ladenfläche hat Rossmann übernommen.

Im Investment-Bereich macht sich die hohe Attraktivität Hannovers ebenso deutlich bemerkbar. Dabei ist der jüngste Kauf des Kröpcke-Centers für rund 210 Millionen Euro aber nur ein Indiz für diese Entwicklung. Die Hamburger Gesellschaft Union Investments (UI) hat das markante Einzelhandelsgebäude in Hannovers Stadtmitte gekauft. Die Immobilie in der Karmarschstraße 16 hat ebenfalls den Besitzer gewechselt, ein Privatinvestor hat das Haus erworben. Verkauft wurde auch das Wohn- und Geschäftshaus in der Karmarschstraße 24. Neuer Eigentümer ist ein Fonds der Aachener Grundvermögen in Bonn. Die Veräußerung des Karstadt-Hauses in der Georgstraße passt ebenfalls ins Bild. Das Highstreet-Konsortium hat die Karstadt-Immobilie an einen Privatinvestor verkauft. Das Ernst-August-Carree hat auch den Besitzer gewechselt. Ein Spezialfonds von Real I.S. hat das aus dem 19. Jahrhundert stammende Büro- und Geschäftshaus erstanden. Das Objekt verfügt über 6.800 qm Gesamtfläche und befindet sich am Rande der Innenstadt.

Neue Besitzer haben auch das Leine-Center in Laatzen und der Erweiterungsbau des Centers in Langenhagen. Während das Leine-Center in Laatzen für rund 117 Millionen Euro den Besitzer gewechselt hat, hat die Fondsgesellschaft ILG etwa 66 Millionen Euro für den Erweiterungsbau des City Centers Langenhagen bezahlt. Das Leine-Center besitzt rund 28.000 qm Mietfläche und hat Mieter wie H&M oder C&A. In der Innenstadt ist hinsichtlich der Rendite kaum noch ein Unterschied zwischen der Georgstraße, der Bahnhofstraße, der Karmarschstraße und der Großen Packhofstraße festzustellen. Für Investoren stellt sich Hannovers 1A-Lage deshalb insgesamt ausgeglichen und sehr attraktiv dar.

Weitere Entwicklung

Die gute Entwicklung von Hannovers Innenstadt wird sich weiter fortsetzen. Mit der Sanierung des Kröpcke-Centers ist die Karmarschstraße deutlich aufgewertet worden und kann mittelfristig gemeinsam mit der Georgstraße die Vorreiterrolle in der 1A-Lage einnehmen. Aber auch die Ansiedlung des Primarks hat sich positiv auf die Laufwege in der Fußgängerzone und insbesondere der Große Packhofstraße ausgewirkt. Zusammen mit der Etablierung der Ernst-August-Galerie haben sich drei Magneten in der Fußgängerzone entwickelt, die Hannovers Innenstadt nachhaltig prägen.

Zwar fehlen im Moment noch die großen internationalen Designerlabels wie Gucci oder Prada, aber die Luisenstraße schickt sich mit vereinzelten Anmietungen von Luxuslabels wie Armani an, diese Lücke zu schließen. Eine interessante Entwicklung nimmt auch die Lister Meile. Die szenige Einkaufsstraße wird für immer mehr große Filialisten interessant. Ansonsten punktet Hannover mit einem sehr guten Branchenmix aus global Playern und lokalen Größen und ist deshalb im Vergleich mit ähnlichen Stadtgrößen im Vorteil. Die 2008 eröffnete Ernst-August-Galerie hat sich insgesamt gut in das Stadtbild eingefügt. Da die 1A-Lage aber so gesund und stabil ist, hat sich das Shopping-Center nicht negativ auf die Attraktivität der Fußgängerzone ausgewirkt.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass das sehr gute Mietniveau und die anhaltend starke Nachfrage auch weiterhin das Geschehen prägen werden. Deshalb zählt die Einkaufsstadt Hannover ohne Zweifel zu den Top 10 in Deutschland – und wird auch in Zukunft dort zu finden sein.