Alkohol-Opfer: Entschädigung möglich

Entschädigung bei Alkoholmissbrauch der Mutter grundsätzlich möglich.

Eine Opferentschädigung bei Alkoholmissbrauch der Mutter in der Schwangerschaft nach dem „Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (Opferentschädigungsgesetz – OEG)“ ist grundsätzlich möglich. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel hervor (Az.: B 9 V 3/18 R).

Demnach ist die Leibesfrucht vom Schutzbereich des OEG umfasst. Ein vorgeburtlicher Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft kann einen tätlichen Angriff auf das ungeborene Kind oder eine gleichgestellte Beibringung von Gift darstellen, so das BSG.

Eine Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz kann aber nur verlangen, wer vor der Geburt durch den fortgesetzten Alkoholmissbrauch seiner Mutter in der Schwangerschaft dadurch geschädigt wird, dass die Grenze zum kriminellen Unrecht überschritten wird.

Das heißt, der Alkoholkonsum der Mutter auf einen versuchten Abbruch der Schwangerschaft, also eine versuchte Tötung des ungeborenen Kindes, gerichtet ist, so die Kasseler Richter. Mit anderen Worten: Schwangere absichtlich getrunken haben, um das ungeborene Kind zu töten.